Der Darß-Marathon rief, und 400 Marathon- sowie über 700 Halbmarathonläufer kamen. Die Startnummernnachfrage konnte im Vorfeld bei weitem nicht gedeckt werden, denn aufgrund der Streckenführung durch den Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft" wird die Teilnehmerzahl in allen Wettbewerben auf ca. 1000 reglementiert. Rechtzeitiges Anmelden oder Glück bei der Tauschbörse, über die man zurückgegebene Startnummern ergattern kann, sichern einen Startplatz an der Darßer Arche in Wieck am Darß. Es wird eine flache, aber nicht unbedingt leicht zu absolvierende Runde gelaufen, über deren Richtung das Startvolk bei der Anmeldung abstimmt. So waren 2008 mehr als 92% der Starter für einen Lauf entgegen dem Uhrzeigersinn von Wieck über Prerow weiter 11 km durch den Darßer Urwald nach Ahrenshoop, auf dem Hochuferweg an der Steilküste entlang bis in den Ortsteil Niehagen, von wo es auf der Boddenseite zurück über Born nach Wieck ging. Der erst 3. Darß-Marathon war perfekt in puncto Organisation, Wetter und Stimmung, und über die Schönheit der Strecke bzw. der Landschaft, durch die sie führt, muss man ohnehin kein Wort verlieren. Wenn es diesen Lauf noch nicht gäbe, müsste er erfunden werden.
Auf der Homepage wird gewarnt, dass es keine Bestzeitenstrecke ist. Dass man aber schnell laufen kann, bewiesen der Sieger Ronald Hampe aus Neuruppin mit seiner Siegerzeit von 2:42:53 h und die auch im Feld der Marathonis vertretene, nunmehr dreifache Siegerin und in der W55 laufende Liane Muschler vom SC DHfK Leipzig mit 3:16:07 h, womit sie den zwölften Gesamtplatz belegte und deutlich jüngere Konkurrent(inn)en weit hinter sich ließ. Da konnten einige Wildschweine im Urwald nur verblüfft hinterher schauen.
Auch unsere Laufgruppe war mit 5 Läufern zum Marathon angemeldet. Leider musste Detlef Arndt kurzfristig gesundheitlich bedingt auf Halbmarathon ummelden. Die anderen vier (Uwe Wirsing, Helge Hallmann, Jürgen Schönfelder und ich) nahmen den Marathon in Angriff, Uwe mit dem Vorhaben volle Pulle, aber mit dem Handicap der kurzen Erholung seit dem London-Marathon, Helge und Jürgen mit dem Ziel, nicht an die Grenze zu gehen und das Ganze zu genießen und ich mit dem heimlichen Blick auf 3:30 h.
Uwe lief lange an fünfter Position liegend im Vorderfeld, ehe ihn der Verschleiß von vor zwei Wochen einholte. Dennoch kam er nach beachtlichen 3:18 h auf Gesamtplatz 17 ins Ziel. Helge, Jürgen und ich liefen als Team bis km 20. Es herrschten bis hierher ideale Bedingungen - kaum Wind, etwas Sonne, die jedoch von zeitweise durchziehenden Wolken in ihrer Intensität etwas gemildert wurde und etwa 15ºC.
Zunächst ging es in lang gezogener Läuferschlange auf dem Radweg von Wieck nach Prerow, wo wir am Hafen die Straße nach Zingst kreuzten. In Prerow herrschte tolle Stimmung, eine Band spielte Rock vom Feinsten, ein Stück weiter wurde gesponnen - ja mehrere Frauen hatten ihre Spinnräder am Straßenrand aufgebaut und waren dort tätig, auch die Zuschauer feuerten die Läufer begeistert an. Auf dem Freisitz vor der "Teeschale" ließ man sich das Marathonfrühstück schmecken. Wir brauchten hier bei km 8 noch keine Stärkung, aber trinken sollte man heute reichlich, woran wir uns auch hielten. Nach 9 km tauchten wir in den Darßer Urwald ein und liefen die folgenden 10 km bis zum asphaltierten Radweg auf dem Damm am Weststrand auf Waldwegen durch einen nahezu im Urzustand befindlichen Wald, der praktisch den ganzen Darß bedeckt. Mitten im Wald bei km 15 an der Kreuzung Peters Kreuz, wo die Halbmarathonstrecke geradeaus nach Born verläuft, bogen wir ab zum Großen Stern auf einem kurvigen und welligen aber gut befestigten schmalen Waldweg. Das Feld hatte sich sortiert, wir hatten ständige Begleitung von Christine aus Halle und Steffen aus Bad Düben.
Mit Erreichen der 20-km-Marke wurde das Rennen härter, denn die Sonne kam nun richtig heraus, die Temperatur stieg über 20ºC, und den Schatten spendenden Wald hatten wir verlassen. In Ahrenshoop kamen noch einige Höhenmeter hinzu, um auf den Hochuferweg zu gelangen. Dieser Weg war über etwa 2 km mit Rindenmulch bedeckt, was zwar Gelenke schonend aber auch Kraft raubend war. Sehr schön war der Blick von hier oben auf die 15 m tiefer liegende Ostsee. Ich hatte mich mittlerweile von Helge und Jürgen getrennt, um meinen Zeitplan einzuhalten. Von der Steilküste ging es quasi zum Umkehrpunkt leicht bergab nach Niehagen am Bodden. Umkehrpunkt deshalb, weil es ab hier nach Norden dem Ziel entgegen geht. Gelaufen waren 26 km. Ein für Naturfreunde herrlicher Weg direkt am Bodden entlang führte uns nun bei höher steigender Sonne durch Althagen am kleinen Hafen vorbei bis zu km 34 auf dem Campingplatz Born. Es war schon ein etwas quälendes Stück, und mir wurde klar, dass ich mein Zeitziel heute deutlich verpasse.
Obwohl ich zusehends langsamer wurde, wurde ich nicht oft überholt, die anderen bekamen auch Probleme. Bei km 35 kam ich direkt an unserem Ferienhaus vorbei. Wir hatten für den Fall der Fälle den Schlüssel dort deponiert, aber so schlecht ging es mir denn doch nicht, und ich machte mich auf die ziemlich endlose Durchquerung des Boddendorfes Born. Auch hier herrschte eine Superstimmung, mehrere Häuser waren mit Wimpelketten geschmückt, ein alter Haudegen der Laufszene, der vor Jahren aus Thüringen hierher gezogen war, hatte Startnummern der von ihm bestrittenen Läufe vor seinem Haus aufgehängt, darunter solche Raritäten wie die Nummern vom 1. Harz- und vom 1. Kyffhäuserberglauf.
Nach gut 3 km war Born passiert, ich bog ein auf den Waldweg in das Bliesenrader Gehölz, wo mich plötzlich von hinten bekannte Stimmen aufforderten weiter zu laufen. Es waren Helge und Jürgen, die mich neu motivierten, die Kraft war wieder da. Wir beschlossen, gemeinsam ins Ziel zu laufen und liefen nun gleichmäßig und kraftsparend durch nochmals herrliche Natur am Ufer des Bodstädter Boddens hinein nach Wieck, wo wir begeistert empfangen wurden. Nach letztlich 3:42 h hatten wir den Punkt erreicht, den wir heute früh um 9 Uhr verlassen hatten, ich bekam gratis einen Sonnenbrand und wir alle eine schöne Keramikmedaille als Lohn für unsere Bemühungen. Auch erwähnt werden muss aus Leipziger Sicht der 7. Gesamtplatz von Matthias Lappe (LG eXa) im Halbmarathon in 1:21:49 h, womit er noch vor dem ehemaligen Weltklassemittelstreckler Jens-Peter Herold lag, der 1988 in Soul Olympiadritter über 1500 m geworden war.

Helge, Uwe, Jügen, Dieter, Detlef (alle SG LVB)
Dieter Ullrich - 29.04.2008